Wo sind die Männer? Demostration für die Vermissten

Rückkehrinneen in die Dörfer um Srebenica, Oktober 2002
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„Mütter aus Srebrenica“ bei der „Gesellschaft für bedrohte Völker“, Sektion Bosnien und Herzegowina


Am 11. Juli 1993 eroberten serbische Milizionäre die überwiegend von Bosniern bewohnte Stadt Srebrenica. Vor den Augen der UNO wurden die männlichen Bewohner zusammen getrieben und entführt. Bis heute ist das Schicksal dieser Männer überwiegend ungeklärt, noch immer werden Massengräber gefunden, die Identifizierung der Leichen geht nur langsam voran. Für die überlebenden – überwiegend Frauen – ist das ein schrecklicher Zustand. Mit Hilfe des bosnischen Büros der „Gesellschaft für bedrohte Völker“ haben sie sich organisiert. Seit 2001 unterstützt die Stiftung Vielfalt der Kulturen ein Frauenprojekt in Sarajevo. Unsere Förderung zielte zunächst auf den Aufbau eines kleinen Büros: Miete bezahlen, das Büro einrichten, einen Betrieb aufnehmen. Die Stiftungsvorsitzende, Frau Geiger, besuchte die Frauen mehrere Male und konnte sich davon überzeugen, dass das Geld gut eingesetzt wird. Seit 2008 werden Sprach- und Computerkurse – die Rechner wurden u. a. mit Hilfe der Stiftung gekauft – angeboten. Die Computerkurse sind sehr beliebt. Für die Teilnehmer bedeuten sie Zukunft. In den öffentlichen Schulen (Grundschule und weitere Schule) gibt es keine Computerkurse. Eine Mitarbeiterin des Büros erzählte, dass sie Informatik nur in der Theorie lernen konnte, weil der Staat kein Geld hat, um die Schulen mit Computern auszustatten. Die Kurse finden zweimal wöchentlich für je eine Stunde statt. Es werden weiterhin Computer benötigt. In den Sprachkursen wird Englisch in drei Stufen angeboten: für Anfänger, für die Mittelstufe und für Fortgeschrittene. Die Zahl der Teilnehmer pro Kurs ist auf 10 begrenzt. Die Kurse sind kostenlos für die Mitglieder des Vereins. Bis jetzt sind 70 Kinder, Jugendliche und Erwachsene erfolgreich durch die Kurse gegangen und hatten auch Erfolg bei ihren Prüfungen bzw. sie verbesserten ihre Schulleistungen. Die Frauen würden sehr gern Deutschkurse anbieten, es gibt sogar eine Warteliste. Die Kurse können aber aus Platzmangel nicht angeboten werden. Der Aufbau einer Nähstube war für die Frauen besonders wichtig. Diese Nähstube hat einen therapeutischen Effekt. Die Frauen treffen sich, können offen über ihre Probleme sprechen und sind sicher, dass die Gruppe sie versteht und unterstützt. Zugleich bedeutet die gemeinsame Arbeit eine finanzielle Absicherung. Die Nähkurse werden von zwei Schneiderinnen zweimal in der Woche für je zwei Stunden angeboten. 2009 wurde eine professionelle Nähmaschine gekauft, mit der auch Leder bearbeitet werden kann. Seit rund eineinhalb Jahren planen die Frauen, ein Geschäft zu eröffnen, um dort die genähten Kleider zu verkaufen. Die Vertreterin der Gesellschaft für bedrohte Völker in Bosnien, Fadila Memisevic, teilte im August 2010 mit, dass die Frauen in der Zwischenzeit sehr schöne Kleider nähen können. Allerdings fehlt es an Abnehmerinnen. Sie leben in der bosnischen Gesellschaft recht isoliert, kennen nur wenige andere Menschen, die ihrerseits oft zu arm sind, um die Kleider zu kaufen. Ein kleines Geschäft im Zentrum Sarajevos könnte aus dem Engpass herausführen. Dort gibt es Touristen als mögliche Kundinnen. Der Nachteil: Die Mieten im Zentrum Sarajewos sind hoch.

Stand: Oktober 2010